Der 1. Mai in Chemnitz

Der III. Weg marschiert zum 1. Mai in Chemnitz

Für den 1. Mai kündigte die rechtsextreme Kleinstpartei III. Weg eine Veranstaltung in Chemnitz an. Gegen Mittag versammelten sich bis zu 500 Neonazis und Unterstützer*innen in der Nähe des Hauptbahnhofes um unter anderem auch gegen Israel und die USA auf die Straße zu gehen.

Mit antisemitischen und volksverhetzenden Inhalten zog der III. Weg durch Chemnitz.

Dagegen gab es zahlreiche Veranstaltungen:

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) und die Stadt Chemnitz riefen ebenfalls am 01. Mai zu einer Gegenveranstaltung mit Ministerpräsident Michael Kretschmer auf. 700 Menschen nahmen an dieser kurzen Demonstration teil und standen direkt am Anfang ihres Aufzugs der Demonstration des III. Wegs gegenüber.

Währenddessen bezogen die Wasserwerfer und Räumpanzer auf der Route des III. Wegs Stellung. Diese konnten nahezu ungehindert durch Chemnitz marschieren – wurden jedoch an vielen Stelen von lautstarkem Protest begleitet. Es kam ebenfalls zu einer kurzen symbolischen Blockade die den Aufzug kurz stoppte.

Das antifaschistische Bündnis Chemnitz Nazifrei rief unter dem Motto „Den Worten Taten folgen lassen“ zum Thomas-Mann-Platz auf. Bis zu 1.000 Menschen aus vielen Teilen des Landes versammelten sich um 9 Uhr auf dem Platz und blieben auch dort die ersten zwei Stunden. Viel zu spät ging es dann kurz vor Mittag los – dafür lautstark und gut gelaunt.

Bis zu 1.000 Menschen nahmen an der Demonstration von Chemnitz Nazifrei teil.

Ziemlich früh gab es den ersten Versuch, aus der Demonstration auszubrechen und auf der Route der Neonazis eine Blockade zu errichten. Dieser wurde aggressiv von der Polizei verhindert – diese nutzten Pfefferspray und vollen Körpereinsatz. Viele Menschen wurden einfach umgeworfen und noch mehr vom Pfefferspray verletzt. Einige konnten die nächsten 10 Minuten nichts mehr sehen und mussten von den anwesenden Sanitäter*innen behandelt werden.

Von nun an begleitete die Polizei die Demonstration behelmt und einige Beamt*innen blieben in der aggressiven Stimmung – so wurde ein*e Pressevertreter*in von einem Beamten mit den Worten „Mir egal. Verpiss dich!“ und diversen Ausdrücken daran gehindert, den zweiten Ausbruchsversuch zu dokumentieren. Ein anderer Beamte hatte da weniger Probleme mit der Pressefreiheit.

Lange Wartezeit für die Chemnitz Nazifrei Demonstration

Am Kulturfestival „Hand in Hand“ am Lokomov traf die Demonstration auf die des StuRa Chemnitz mit weiteren 500 Menschen. Dort verblieb die Demonstration nun volle drei Stunden und wurde von drei Anlagen mit verschiedener Musik beschallt. Die Polizei ließ die Demonstration nicht weiter ziehen – solange die Neonazis noch in der Nähe laufen. Am Ende kam die Demonstration von Chemnitz Nazifrei und nun der StuRa am Endpunkt an, als alle Teilnehmer*innen des III. Wegs schon abgereist waren.

Während der Wartezeit kochte die Stimmung unter den Teilnehmer*innen der Demonstration langsam hoch. Diese wurde an einem Auto im Frei.Wild-Stil ausgelassen: Mit Stickern, Edding, Müll und reichlich Spucke wurde das Auto „verschönert“. Als der vermutliche Besitzer mit Reichskriegsflagge aus dem Fenster brüllte, flogen vereinzelt Steine in seine Richtung. Nicht alle Menschen waren mit dieser Aktion einverstanden – so entstanden teils hitzige Diskussionen am Auto. Die Polizei konnte sicherlich das Schauspiel beobachten, schritten jedoch erst zeitlich versetzt ein, als eine Gruppe von zwei bis drei Menschen versuchten das Auto umzukippen. Es kam zu Anfragen an die Ordner*innen, dann wurde das Auto bewacht.

Erst sehr spät griff die Polizei ein, als ein Auto eines Neonazis beschädigt wurde.

Nach und nach verließen Gruppen von Menschen die Demonstration durch freie Straßen und versuchten noch vergeblich die Demonstration des III. Wegs zu blockieren – vergeblich. Im Park der Opfer des Faschismus kam es zu Jagdszenen, als einige Beamt*innen der Polizei Jagd auf Antifaschist*innen machten

 

 

So zogen die meisten Menschen weiter zum Endpunkt der Nazi-Veranstaltung. Dort wurde noch einmal Stimmung gemacht und eine Flasche wurde in Richtung der Veranstaltung geworfen – und traf auch sein Ziel.

Unter Polizeischutz bzw. -kontrolle zogen die 500 Neonazis zum Hauptbahnhof, der für alle Außenstehende abgeriegelt wurde. Die Abreise verspätete sich jedoch, da kein Sonderzug aufzutreiben war. So kamen auch die Gegendemonstrant*innen erst viel später nach Hause.

Während der Demonstrationen kam es noch zu Übergriffen zwischen Polizist*innen:

Während der Räumung von Demonstrant*innen schlug ein*e Polizist*in seine*n Kolleg*in unter das Visier ins Gesicht. Der Grund dafür ist noch unklar – einige vermuten, dass diese*r die Befehle nicht verstanden und somit nicht ausgeführt habe, andere wiederum, dass das Opfer kurz zuvor selbst einen Menschen schlug. Die Kolleg*innen drum herum beobachteten das Geschehen, griffen selbst jedoch nicht ein. Die Polizei Sachsen informierte über Twitter, dass der Sachverhalt nun überprüft wird.

 

Auseinandersetzung zwischen zwei Polizisten

Es kam zu keinen weiteren Auseinandersetzungen zwischen Neonazis und Gegendemonstrant*innen. Auch die Wasserwerfer und Räumpanzer fuhren ungenutzt am Ende des Tages wieder nach Hause.

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